Warum habe ich gerade Debian als Linux-Distribution für meinen Linux-Server verwendet?
Warum nicht Fedora, OpenSuSE, Slackware, oder Ubuntu?
Um das zu erklären, muss ich etwas in die Vergangenheit gehen.
Slackware
Alles begann im Jahr 1996. Damals kam ich über ein Abonnement der Zeitschrift PC Online das erste Mal in Berührung mit Linux. Auf einer damals aufkommenden Heft-CDs war eine Slackware Linux CD enthalten, die sich direkt unter DOS (mittels UMSDOS in Betrieb nehmen lies. Mit dieser Linux Distribution kämpfte ich mich das erste Mal durch die Konsole und durch Konfigurationsdateien. Das Experiment wurde aber schnell wieder beendet, da ich den X-Server mit meiner VLB-Grafikkarte nicht zum Laufen bekam.
SuSE
Ca. ein Jahr später sah ich die erste SuSE-Linux-Distribution beim Freund meiner Schwester. Er benötigte Linux für sein Physik-Studium. Welche Version das genau war, weiß ich nicht mehr. Ich habe noch etwas mit 4.x im Kopf. Nach diesen ersten Berührungen wuchs bei mir das Interesse an Linux. Ich orderte eine SuSE-Linux 5.0 Distribution inkl. Handbuch. Dieses Buch könnte ich auch heutzutage allen Neueinsteigern empfehlen. Mit SuSE 5.0 habe ich das erste Mal 2.0.x Kernel kompiliert und ausgiebig Netzwerkdienste und sonstige Dienste ausprobiert. Später bin ich aus reiner Neugier auf RedHat umgestiegen und war ein paar Jahre sehr zufrieden.
Fedora Core 1
Die nächste große Veränderung hat mit meinem späteren Beruf zu tun. 2001 habe ich mit dem Informatikstudium begonnen. In einigen Vorlesungen (C, C++, XML, Python) war es möglich / notwendig Linux als Betriebssystem einzusetzen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich als Landei endlich einen 768 kbit DSL-Anschluss erhalten. Über ihn habe ich die erste Fedora Core Distribution heruntergeladen und eingesetzt. Ich hatte eigenen Linux-Server, der für P2P und als Fernzugang verwendet wurde.
IPCOP
In diese Zeit fallen auch erste Versuche mit IPCOP, einer speziell für den Firewall- und Routereinsatz ausgerichteten Linux-Distribution. Anfangs basierte IPCOP auf RedHat, später wurde das System auf Linux From Scratch umgestellt. IPCOP bietet eine komfortable WEB-Oberfläche für die Konfiguration des Netzwerks und des Internetzugangs. Man kann, wie von Hardwareroutern gewohnt, leicht Ports weiterleiten oder die Firewallregeln anpassen. Es gibt zahlreiche Erweiterungen wie z.B. Web- und Spamfilter und vieles mehr. Mit einem Kommilitionen habe ich den IPCOP nach einer Anleitung in der c’t aufgebohrt und zu einem WLAN-AccessPoint gemacht. Grundlage war dabei eine PCI Wlan-Karte mit Prism-Chipsatz und entsprechender Firmware. Auf dem Rechner lief damals zum ersten Mal mldonkey. Der Zugang auf die mldonkey-Web-Oberfläche war nicht direkt sondern über einen gesicherten SSH-Tunnel realisiert.
Debian – 1. Versuch
Im Jahr 2002 hatte ich das erste Mal Kontakt zu Debian. Ein Mitstudent schwärmte von dieser Distribution, die damals eindeutig noch einen hohen Freak-Faktor besaß. Ich kämpfte mich sogar durch eine Installation, gab aber dann entnervt auf, weil es wieder einmal Probleme mit dem X-Server gab.
Fedora Core 2
Die Jahre 2005 bis Anfang 2007 waren eher Linux-frei. Als Backup-Server lief zwar mittlerweile ein Linux-Server mit Fedora Core 2, aber ich arbeitete nicht wirklich häufig mit Linux. Irgendwann einmal wurde Fedora Core 2 nicht mehr direkt, sondern nur noch indirekt über Fedora Legacy mit Sicherheitsupdates unterstützt.
Debian forever
Erst Anfang 2007 habe ich mir endlich konkrete Gedanken zu meinem langjährigen Traum gemacht, einen eigenen sparsamen Linux-Server zusammenzustellen und einzurichten. Durch die verstärkte Besprechungen in der c’t und Expertenmeinungne bestärkt bin ich endlich meiner Wunsch-Distribution angelangt: Debian GNU/Linux 4.0
Debian rules!
Hier an dieser Stelle erlaube ich mir jetzt eine kleine, naive Einschätzung zu Debian. Das entscheidende Auswahlkriterium für die Wahl von Debian war für mich seine Unabhängigkeit. Es steht keine Firma hinter Debian, die Umsatzzahlen und Gewinn aus ist oder sich Sorgen um ihr Image machen muss. Es droht keine Übernahme wie bei SuSE durch Novell, keine Ausgliederungen und Umstrukturierungen wie bei RedHat / Fedora. Eine veraltete Debian-Installation kann auch mit wenigen Befehlen auf den aktuellen Stand gebracht werden.
Persönliches Fazit
Debian steht für mich für Stabilität, Sicherheit und langjährige Unterstützung und bedachte Weiterentwicklung. D.h. nicht, dass andere Distributionen nicht auch ihre Vorteile hätten. Wer auf einfache Bedienung Wert legt, wird wohl eher zu Unbuntu oder OpenSuSE greifen. Ich bleibe aber bei Debian.